#2 Arbeitsklima
Shownotes
📌Schlagzeile der Woche:
KN-Artikel zur Ganztagsbetreuung: https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/ganztagsbetreuung-in-schleswig-holstein-kommunen-schlagen-alarm-DVCWEVHO65GIJOSDE5MHQZGFRQ.html https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/politik-in-schleswig-holstein-halbe-sache-ganztags-VKIFK6UHSFDAXIUT7PMWVLRPCU.html
15 Minuten Podcast zu Produktive Arbeit: https://open.spotify.com/episode/0fmQ1Zx2i90iyUmEJISuvF?si=fjBSBeqmTCC46CozR-Bv9Q&nd=1&dlsi=1d566886ac604ef2
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§ Das dürfen Schulen:
Dienstordnung für LK an öffentlichen Schulen in SH (§3 (5) & (6)): https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/S/schulrecht/Downloads/Rechtsquellen/DienstordnungLehrer.pdf?_blob=publicationFile&v=3
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📚Empfehlung der Woche
Die Konferenz Republica: https://re-publica.com/de
"Werte. Ein Kompass für die Zukunft" von Maja Göpel: https://www.brandstaetterverlag.com/buch/werte/
Instagramprofil von @noramarkard
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00:00:00: Speaker: Als ständigen Gast habe ich wie immer Martin Habersaat. Neben mir sitzen Lehrer für Geschichte und Deutsch, aber aktuell der bildungspolitische Sprecher der SPD Landtagsfraktion. Hallo Martin, hallo Silja und mir gegenüber sitzt als heutiger Gäste zum Thema Arbeitsklima und Kultur an Schulen. Die aktuelle Kovorsitzende der GEW Schleswig Holstein und Lehrerin an einem Förderzentrum für körperliche, motorische und geistliche Entwicklung, Kerstin Krellmann. Hallo Kerstin. Hallo Sylvia. Gibt es irgendwas, was man noch über dich wissen sollte? Was ich jetzt in dieser Kurzvorstellung nicht mit genannt habe? Was dir wichtig wäre? Was wäre mir wichtig? Dass ich für Bildungsgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit stehe. Aber ein bisschen ergibt sich das aus meiner Tätigkeit und der Tatsache, dass ich aus der Sonderpädagogik komme. Da hast du allerdings herzlichen Dank. Ich bin ja deine wissenschaftliche Referentin der SPD Landtagsfraktion und führe euch die hoffentlich jetzt immer durch diesen Podcast. Und wir beginnen aber auch zugleich mit der Schlagzeile der Woche. Und wir alle drei haben eine Schlagzeile mitgebracht, einen Artikel, eine Studie, ein Zitat, irgendetwas, was uns diese Woche bewegt hat. Und wie immer bin ich gespannt, was ihr mitgebracht habt. Kerstin, möchtest du vielleicht gleich starten? Das kann ich gerne machen. Meine Schlagzeile der Woche betrifft ein Thema, das uns schon lange begleitet, und zwar just heute in den Kieler Nachrichten auf der Titelseite. Ganztagsbetreuung ab zwei tausend neun und zwanzig Nicht mehr ohne Fachkräfte. Kommunen schlagen Alarm. Ich habe eigentlich die gleiche ausgesucht. In der gleichen Ausgabe ist noch ein zweiter Artikel, Da steht Ganztagsbetreuung für Grundschüler. Jetzt wird es eng und ich finde, das lohnt sich, da mal zwei Minuten drüber zu sprechen, was eigentlich das Problem ist. Vor ein paar Jahren hat der Bund die gute Idee gehabt, an den Grundschulen das Recht auf Ganztag einzuführen. Ab zwei tausend sechs und zwanzig haben alle Schülerinnen und Schüler, die dann eingeschult werden, das Recht auf fünf Tage in der Woche, acht Stunden am Tag, maximal vier Wochen Schließzeit im Jahr. Seitdem wissen wir, dass wir die vorhandenen Angebote ausbauen müssen und dass wir zusätzliche Fachkräfte brauchen. Und zwei tausend drei und zwanzig hat sich die Landesregierung das auch schriftlich geben lassen. Da gab es eine Studie der FH Kiel. Aus der ging hervor, dass ungefähr zwanzig Prozent der Angebote bisher ohne Fachkraft auskommen und weitere zwanzig Prozent der Angebote mit einer einzigen Fachkraft. Und da hätte man ja auf die Idee kommen können, von zwei tausend drei und zwanzig bis zwei tausend sechs und zwanzig den FachkraftSchlüssel zu erhöhen und das Angebot auszubauen. Stattdessen ist genau nichts getan und seit zwei tausend siebzehn gab es keinerlei Erhöhung am Budget für Schulen, um diesen Ganztag zu organisieren. Eine Kritik ist ja auch, dass ich wahrscheinlich zukünftig Kitas und Ganztagsgrundschulen das Personal wegnehmen könnten. Wie bewertet ihr das? Kerstin Das wird definitiv so sein. Da braucht man, glaube ich, gar nicht spekulieren, ob das so kommen könnte. Das ist ein Fakt. Wir wissen jetzt schon, das Erziehern in der Kita im Durchschnitt nach fünf Jahren wieder die Kita verlassen, weil die Arbeitsbelastung dort so hoch sind. Und wenn dann ein weiterer attraktiver Arbeitsmarkt entsteht, ist die Entscheidung vielleicht noch schneller gefallen. Und das in einer Situation, wo wir einen Fachkräftemangel haben. Das heißt, die Kolleginnen können sich aussuchen, wo sie arbeiten, und das wird die Situation in den Kitas weiter verschärfen. Und auch das ist ein Riesenproblem. Wird der Ganztag ein attraktiver Arbeitsplatz sein, potenziell nach den jetzigen Richtlinien und Rahmenbedingungen? Das ist eine spannende Frage. Tatsächlich? Also ich glaube in Teilen ja. Für die Menschen, die dort arbeiten, ist es mit Sicherheit auch ein spannender und neuer Arbeitsplatz. Gerade wenn ich mir vorstelle, ich komme aus einem Kita Bereich, wo die Kinder jünger sind, wo die Belastung noch mal eine ganz andere ist, kann ich mir vorstellen, dass es für einige Kolleginnen attraktiv sein wird, in den Ganztag zu wechseln, was aber natürlich dann ein Riesenproblem ist. Der Ganztag funktioniert nach jetzigem Konzept nachmittags, das heißt, in der Regel sprechen wir da von einer Teilzeit. Und jetzt wissen wir alle, dass die Bezahlung im pädagogischen Bereich bei weitem nicht angemessen ist für die Leistung, die dort erbracht wird. Und sprich, wir reden da wirklich vermutlich über prekäre Arbeitsverhältnisse. Von daher attraktiv vielleicht im Hinblick auf andere pädagogische, neue pädagogische Herausforderungen mit großer Wahrscheinlichkeit im Hinblick auf Finanzierbarkeit des Lebens nicht besonders attraktiv. Auf das Thema Arbeitsbedingungen werden Sie ja wahrscheinlich im Verlauf des Podcasts noch mal kommen. Vielleicht greifen wir das Thema auch noch mal auf. Wir haben gerade kurz vor der Aufnahme darüber gesprochen, dass ihr euch eine ähnliche Schlagzeile ausgesucht habt und fand auch mal ganz schön. Wir hoffen, dass dieses Problem nicht bis zwei tausend sechs und zwanzig anhalten wird, aber wir sind gespannt, ob das anhalten wird, glaube ich. Ich habe eine schönere Schlagzeile mitgebracht, die ein bisschen optimistischer ist. Nein, ich habe. Oder ich höre morgens auf dem Weg zur Arbeit immer Podcasts und habe im Podcast fünfzehn Minuten gehört, dass sich immer mehr Bundesländer jetzt dem produktiven Lernen annehmen. Sachsen steigt jetzt wohl auch wieder ein und dachte mir, dass das auch eigentlich ganz schön ist, dass man mehr. Projektarbeit geht. Natürlich mit dem Ziel, Fachkräfte in die Arbeitswelt zu bekommen. Also ein ökonomisches Ziel auch. Aber ich dachte mir irgendwie viele Schülerinnen und Schüler, die ja auch häufig diese Kritik haben. Das ist doch eine schöne Nachricht, dass immer mehr Bundesländer überlegen, produktives Lernen mitzumachen. Und in Schleswig Holstein gibt es ja auch ein bisschen, würde ich behaupten, an einzelnen Gemeinschaftsschulen meistens Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe oder ich weiß gar nicht, vielleicht sogar ausschließlich Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Und ich finde den Ansatz schön, dass man einfach sagt, wenn es Schülerinnen und Schüler gibt, die vom Schulalltag, wie er ansonsten stattfindet, nicht so richtig abgeholt werden, dann neue Angebote schafft, die mit mehr Praxisbezug versehen sind und die mehr ins richtige Leben gehen und die auch teilweise eine andere Ansprache ermöglichen. Dann ist das, glaube ich, ein ganz richtiger Weg für diese Gruppe von Schülerinnen und Schülern. Also ich habe mir an verschiedenen Stellen angeguckt und wenn man in der Schule zehn Minuten zu spät kommt, dann ist die Ansprache schon eine andere, als wenn man im Betrieb zehn Minuten nach verabredete Zeit kommt. Und da kriegt man ganz anders mit. Was? Mit rustikaler Durchaus eine spannende Frage zur Schulkultur und Betriebskultur dann nachher. Ich würde sagen, wir gehen weiter und Kerstin kriegt die nächste Frage von mir schon wieder. Und zwar dürfen Schulen selbst entscheiden, ob Unterrichtsbesuche stattfinden und in welcher Form. Eine Einschätzung von dir zur Rechtslage. Das muss nicht richtig sein. Martin klärt nachher auch mir erst mal einen Hinweis. Unterrichtsbesuch In welcher Form? Was? Was genau? Was für eine Art Unterrichtsbesuch meinst du? Schulleitung oder auch Lehrkräfte? Und spannend. Also ich kenne ganz viele Schulen, wo das regelmäßig gemacht wird, wo regelmäßig geguckt wird. Ich weiß nicht, ob die Lehrkraft dem widersprechen könnte und im Einzelfall kann ich das auch nicht sagen. Es ist grundsätzlich die Regelung, dass die Schulen das befördern sollen, dass solche Besuche stattfinden. Was wir in der Erklärung jetzt auch nicht bis ins Letzte herausgefunden haben. Wenn ich nun eine Lehrkraft habe, die sich dem total verweigert, was passiert dann? Also schlägt dann das Recht der Schule oder die Pflicht der Schule, so etwas zu fördern? Oder schlägt dann ähm, die die Verfügungsgewalt der Lehrkraft über ihren eigenen Unterricht? Wir haben die Diskussion ja teilweise sogar schon, wenn es um Schulbau geht. Also ich habe an mehreren Schulstandorten erbitterten Streit um die Frage mitbekommen, ob Fenster neben den Türen eingelassen werden ja oder nein, weil das ja schon ein Einblick in den Unterricht ermöglicht. Und meine Erfahrung ist wo es solche Fenster gibt oder wo sogar Türen offenstehen, ist das Gesamtklima an der Schule sogar ruhiger, als wenn die Türen geschlossen sind. Aber ich weiß auch, dass es viele Lehrkräfte gibt, die finden, dass die Tür geschlossen sein sollte, wenn man mit der eigenen Klasse interagieren. Ich kann mir vorstellen, wenn Lehrkräfte sich weigern, dass sonst die Schulleitung einspringt, denn die darf ja ausdrücklich den Unterricht besuchen, aber auch ausdrücklich nicht zur Kontrolle. Und das ist natürlich fragwürdig, inwiefern es nicht mehr zur Kontrolle ist, wenn sich vorher geweigert wurde. Und das, finde ich, ist ein bisschen das Problem an der Stelle. Tatsächlich. Ich kenne aus meiner eigenen Unterrichtspraxis Unterrichtsbesuche bei einander eigentlich als sehr positiv. Man kann mal gucken, wie gehen andere Kolleginnen mit dem gleichen Thema um, Kann gucken, wie gehen andere Kolleginnen möglicherweise mit gemeinsamen Schülerinnen um? Also da gibt es ja eigentlich eigentlich gute Synergien. Und die Tatsache, dass man da skeptisch reagieren kann, sagt dann ja wirklich viel über die Schulkultur aus. Dann ist es nämlich vielleicht kein wertschätzendes Miteinander im Sinne eines Überlegens. Wie können wir mit der Situation gemeinsam am besten umgehen? Sondern dann ist es eher ein Ich kontrolliere dich und schreibe dir vor, wie du es besser zu machen hast. Und das ist natürlich problematisch. Und ja, vom Prinzip her sind Unterrichtsbesuche finde ich sehr bereichernd. Es gibt durchaus Schulen, wo das so zur Kultur und zum Alltag gehört und wo völlig selbstverständlich ist, dass zum Beispiel Mitglieder der Schulleitung durchs Gebäude stromern und sich mal hier und mal da fünf Minuten reinsetzen und einen Gesamteindruck haben. Es gibt aber auch Schulen, da wäre das völlig undenkbar und da würde das immer als Kontrolle wahrgenommen werden. Insofern tatsächlich eine Frage Wie schaffen wir es denn, in den Schulen so eine Kultur zu verankern, dass man selbstverständlich sich über die Schulter guckt und andere mitnimmt und auch hinterher über das Gesehene spricht? Im Optimalfall ja auch immer schön die Wechselwirkung zwischen Unterrichtsbesuch und und Schulkultur und ich glaube, das gelingt doch immerhin mit aufzunehmen. Es war ein ganz klares Plädoyer von bescheiden für Unterrichtsbesuche, den eigenen Austausch und auch die die Weiterentwicklung als Lehrkraft. Ich habe euch aber noch was mitgebracht, und zwar ein sogenanntes Unwort. In dem Zuge möchte ich auch noch mal alle bitten und aufrufen, die diesen Podcast hören. Habt ihr Unworte aus dem Bildungsbereich? Dann sendet sie uns gerne zu und wir thematisieren sie hier auch. Aber ehrlicherweise haben wir auch schon einen kleinen Fundus, aus dem wir uns bis zu euren Einsendungen auch bedienen. Ich nenne euch das Unwort einmal Martin kontextualisiert einmal, wo es herkommt und dann kannst du, Kerstin, gerne mal was dazu kommentieren. Ich habe auch noch eine kleine Recherche zu dem Unwort getan, weil ich erst mal überlegen musste Was ist das denn eigentlich? Und zwar haben wir euch das Unwort der preußischen Tugenden mitgebracht. Martin, hast du etwas Kontext? Für uns? Als preußische Tugenden gelten traditionell solche wie Pünktlichkeit, Fleiß, Disziplin und dergleichen. Und in der Pädagogik gibt es immer wieder den Streit, ob das jetzt primär zu verfolgende Ziele von Bildung und Erziehung sind oder ob das nicht vielleicht eher zu vernachlässigende Ziele sind. Wenn man es geschafft hat, dass junge Menschen Verantwortung für sich und andere übernehmen wollen, dann ist vielleicht am Ende gar nicht so sehr entscheidend, wie es mit den preußischen Tugenden bestellt ist. Innerhalb der SPD gab es mal eine prominente Auseinandersetzung, als ein Sozialdemokrat diese preußischen Tugenden lobte und ein anderer kritisierte, mit diesen Tugenden könne man auch ein KZ betreiben. Man kann ja mal nachgoogeln, wer sich da gestritten hat. Der Vergleich ist ein harter, würde ich sagen. Grundsätzlich Ich weiß nicht, ob ich es als preußische Tugenden. Ich finde, preußische Tugenden gibt dem Ganzen einen Spin, Bin, den ich vielleicht an der Stelle gar nicht sehen würde, weil ich einige der Tugenden für durchaus sinnvoll halte. Also eine gewisse Pünktlichkeit sorgt schon für eine Verlässlichkeit im Miteinander. Und da, glaube ich, spricht wenig gegen Fleiß ist auch nichts, was wir in den Schulen per se ablehnen würden. Obrigkeitshörigkeit muss man natürlich schon ein bisschen mehr gucken. Soll ich brav gehorchen, was mir gesagt wird? Oder soll ich nicht eigentlich auch gerade in der Schule vermitteln? Reflektiere, was dir gesagt wird und bilde dir eine eigene Meinung dazu? Von daher ja, als Oberbegriff würde ich so ablehnen wollen, aber die einzelnen Punkte definitiv nicht alle. Das geht schon ganz schön in das, was ich dazu nachgelesen hatte. Und zwar plädierte Erik von Gerhard Meyer, ein emeritierter Professor für Unternehmensethik und Kultur. Und insofern ist das vielleicht auch ganz passend dazu, diesen Begriff nicht zu verklären, da er historisch nicht haltbar und politisch nicht lobenswert sei. Und er plädiert für eine Demokratisierung dieser Tugenden. Das ist ja so ein bisschen das, was eigentlich auch wir beide sagtet. Martin, wenn du sagst, es war eine Verantwortungsübernahme für sich und für andere geben. Denn er plädierte dafür, dass man diese Tugenden im Sinne von Interesse, Engagement und Mut, sich für Freiheit und Solidarität einzusetzen, demokratisch umdeuten sollte. Und insofern passt es ja auch, wenn man pünktlich ist. Zuverlässig im Miteinander hat das natürlich einen demokratischen Wert. Und es geht natürlich auch in die Kritik der Obrigkeitshörigkeit noch mal ganz, ganz anders mit rein. Das klingt für mich auch gar nicht mehr so preußisch, wenn man es so formuliert. Also für mich ist so der Inbegriff der preußischen Art ein Schild, das einer meiner Professoren an der Uni Hamburg an der Tür hängen hatte. Da stand Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner begrenzten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen. Das fand ich furchtbar witzig, und es ist tatsächlich eine historische Vorlage zu geben. Also es scheint tatsächlich mal in einer Amtsstube gehangen zu haben. Und das wäre genau eine Tugend, von der ich heute nicht mehr so viel hören wollte. Wir haben das im bildungspolitischen Bereich manchmal in der Diskussion, wenn es um Kopfnoten geht. Also es gibt immer mal wieder meistens konservative Kolleginnen und Kollegen, Kolleginnen. Genau, die finden, man müsste die Kopfnoten möglichst ausdifferenziert wieder einführen und so was wie Fleiß und Betragen und dergleichen ausweisen, bevor es um die Fächer geht. Ja, tatsächlich in Italien auch gerade passiert. Da gibt es wieder Kopfnoten und auch die wissenschaftliche Diskussion darum, dass genau das, was man damit erreichen will, nicht erreichbar ist über Kopfnoten. Also von daher hoffe ich, dass wir hier in die Diskussion nicht ernsthaft einsteigen müssen. Ist ja auch eine nicht nur konservativ, sondern in Teilen faschistoide Regierung in Italien. Ja, ich wollte das nicht gleichsetzen. Ich auch nicht. Wundervoll. Dann würde ich sagen starten wir jetzt mal ein bisschen weiter ins Thema eingehend. Und wir wissen schon, was Martin mit Schulkultur verbindet. Vom letzten Mal war für alle, die neu reinhören, vielleicht noch mal eine kurze Einleitung von mir, dass sie wissen, dass du beim letzten Mal gesagt hast, ich versuche das mal nicht jedes Mal gleich zu formulieren. Ich finde, es ist wichtig, wenn man über Bildung und Schule spricht, sich nicht nur die Fächer anzugucken und den Unterricht anzugucken, sondern sich auch darüber Gedanken zu machen, Was ist das eigentlich für ein Lebensraum, in dem wir junge Menschen zwingen, einen Großteil ihres Tages zu verbringen? Und wie geht man eigentlich mit den Menschen um, die sich da in der Schule täglich begegnen? Und dann kann Schulkultur eben ganz viele verschiedene Ausprägungen haben. Da geht es um die Frage Kann man da eigentlich morgens frühstücken, wenn man da hinkommt? Oder muss man gleich in die erste Stunde in den Unterricht gehen, ob man satt ist oder nicht? Was wird außerhalb des Unterrichts eigentlich gemeinsam angestellt? Und eben auch solche Fragen, wie wir eben hatten Gibt es eine Kultur des Miteinanders und des sich gegenseitig über die Schulter gucken und bei der Arbeit unterstützen? Oder kämpfte am Ende doch jeder für sich? Und ich glaube, über diese Themen ist am Ende viel mehr für Bildung zu erreichen und für einen erfolgreichen Start ins Leben als über die zwanzig tausendste Diskussion, welches Fach wir zusätzlich erfinden müssen. Was ist für die Typen, für die sich gerade sagen Ich kann mich ziemlich anschliessen? Also tatsächlich gehört für mich zur Schulkultur das Miteinander von Lehrkräften untereinander, das Miteinander von Schülerinnen untereinander, aber natürlich auch das Miteinander von Lehrkräften und Schülerinnen und da in beide Richtungen. Und da sind wir bei Austausch miteinander, da sind wir bei Demokratisierungsprozessen. Wie sehr können Schülerinnen mitbestimmen, was sie anbelangt? Wie sehr können. Wie formuliere ich gute Diskussionen zwischen Schülerinnen und Lehrkräften so geführt werden, dass beide Meinungen gehört werden. Oft hat man ja den Eindruck, dass Schülerinnen und Lehrkräfte gerne sehr verhärtet miteinander diskutieren, auch durchaus von Schülerinnen Seite Lehrkraft Argumente nicht gerne gehört werden, weil Lehrer ja sowieso keine Ahnung von gar nichts haben. Und auch das kann ja anders funktionieren und funktioniert an Schulen in vielen Schulen auch anders. Dass ja wirklich ein Miteinander entsteht und gemeinsame Entscheidungen für Unterrichtsentwicklung, für Schulentwicklung getroffen werden. Und das, finde ich, ist ein ganz wesentlicher Punkt. Da ist für mich immer ganz spannend die Frage Welchen Raum gibt es eigentlich für solche Gespräche? Also in der Regel trifft man sich im Unterricht und in der Regel wird Unterricht bewertet. Und in dem Moment, in dem bewertet wird, ist natürlich ein freier Diskurs möglicherweise schwierig, weil man dann ja vielleicht auch als Schülerinnen Meinungen hat, die der Lehrkraft gerade nicht so gefallen. Und andererseits aus Lehrkraft Sicht, wenn ich außerhalb des Unterrichts solche Möglichkeiten schaffe, ist manchmal die Begeisterung nicht so groß, daran teilzunehmen, weil es ja nicht bewertet wird und weil man die kostbare Kraft lieber auf die Felder fokussiert, wo man die Noten für kriegt. Also von beiden Seiten. Nicht ganz einfach aufzubrechen. Es hat eigentlich schon viel dazu gesagt, was ihr auch für das Arbeitsklima unter Schulkultur fasst. Gibt es irgendwas, was ihr noch ergänzen möchtet, was das Arbeitsklima und ein gutes Arbeitsklima, eine gute Arbeitskultur an Schulen ausmacht, abseits von diesem Miteinander? Ja, würde ich unbedingt was ergänzen wollen, weil wir ja seit Jahren das erste Mal wieder damit konfrontiert sind, dass in den Schulen massiv gekürzt wird. Es ist immer so eine schöne Rechnung, die das Ministerium da aufmacht, weil es dann ja heißt Ja, wir kürzen ja auch Unterricht. Also für die Lehrkräfte ändert sich ja gar nicht so viel. Sie müssen ja auch weniger unterrichten. Und für diesen weniger Unterricht sind es dann eben weniger Lehrkräfte. Das halte ich ehrlich gesagt für eine ziemliche Milchmädchenrechnung, weil mittlerweile doch relativ bekannt ist, dass die Unterrichtszeit vielleicht ein Drittel der Lehrkräfte Arbeitszeit ausmacht und viele, viele andere Tätigkeiten eben nicht im Unterricht stecken. Da gehört einmal Unterrichtsvor und Nachbereitung dazu, die natürlich noch recht dicht an Unterricht dran ist. Aber das sind eben dann die Gespräche mit den Schülerinnen. Das sind Gespräche mit Kolleginnen, Gespräche mit Eltern, Gespräche mit außerschulischen Partnern. Das ist Schulentwicklung und all diese Sachen. Und auch das machen Lehrkräfte, die dann weniger in der Schule sind. Und an diesen Belastungen ändert sich gar nichts. Oder an diesen diesen Aufgaben ändert sich nichts. Aber die Belastung für die einzelne Lehrkraft wird wachsen. Und das ist natürlich das Gegenteil von einer positiven Arbeitsentwicklung. Und entsprechend wird sich das auf die Schulkultur auch weiter auswirken, weil die Lehrkräfte ja noch mehr, noch weniger Zeit leisten müssen. Wir hatten vor kurzem im Landtag die Diskussion um die Frage, ob eine Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte eigentlich eine gute Idee wäre oder nicht. In der Spoiler Kerstin sagt Ja, genau, Die Ministerin und die damalige Staatssekretärin und heutige Ministerin haben durchaus die Auffassung vertreten, dass es ja auch eine gewisse Form von Freiheit ist, dass man nicht stempeln muss und dass keiner so genau guckt, wann man arbeitet. Das fand ich einen interessanten Ansatz. Ähm, grundsätzlich glaube ich auch, es wäre hilfreich, weil es den Blick öffnen würde für tatsächliche Belastungen und und die Frage was kann ich eigentlich von den Menschen noch erwarten? Also wenn ich eben gesagt habe, gemeinsames Frühstück in der Schule und eine Kultur neben dem Unterricht, dann brauche ich ja auch Leute, die da Lust zu haben und die das einfach auch leisten können. Und das geht nicht, wenn die sowieso schon massiv überlastet durch die Gegend laufen und eigentlich jede halbe Stunde Freizeit nutzen müssen, um Klausuren zu korrigieren oder Telefongespräche zu führen oder was auch immer zu tun, was sowieso noch anliegt. Insofern fände ich es auch hilfreich, um dann von dieser Arbeitszeiterfassung ausgehend zu überlegen Wie gestalten wir es denn künftig so, dass wir zu einer anderen Schulkultur kommen können? Ja, ich finde tatsächlich, dass das Thema Arbeitszeiterfassung in Schleswig Holstein hochspannend, weil man sich hier ja auch weigert, überhaupt darüber nachzudenken, das mal als Studie durchlaufen zu lassen. Es gibt andere Länder, die sind da deutlich weiter. Da gibt es unterschiedliche Studien, mal eher von den Gewerkschaften initiiert, in Sachsen, aber auch durchaus vom Kultusministerium selbst. Und es ist ja schon ein bisschen skurril, muss man sagen. Wenn man mal einfach neutral auf das Thema Arbeitszeiterfassung guckt, würde man doch eigentlich davon ausgehen, dass jeder Arbeitgeber ein Interesse daran hat zu gucken. Arbeiten meine Angestellten, meine Mitarbeiterinnen eigentlich so, wie sie arbeiten sollen vom Zeitumfang her? Und da das scheint in Schleswig Holstein für Lehrkräfte überhaupt gar kein Thema zu sein. Und es ist ja schon ja fast schon skurril, dass ausgerechnet die Menschen, die in dem Bereich arbeiten, fordern, dass die Arbeitszeit erfasst wird. Denn wenn es so ein riesiges Privileg wäre. Also das war der der Begriff, der in einer Personalräte Schulung mal fiel. Es sei ein Privileg, dass Lehrkräfte keine Arbeitszeiterfassung hätten. Wenn es so ein Privileg wäre, warum sind es dann ausgerechnet die Lehrkräfte und die Gewerkschaften, die darauf drängen, dass Arbeitszeit erfasst werden muss? Also meiner Meinung nach macht sich das Land da einen schlanken Fuß und versucht nicht hinzugucken, wie groß die Arbeitsbelastung bei den Lehrkräften tatsächlich ist. Es gibt übrigens eine interessante Verbindung zu dem Thema, mit dem wir eingestiegen sind Schulischer Ganztag. Momentan ist es ja so, dass die Ganztagsangebote in der Regel von externen Trägern angeboten werden und Lehrkräfte so gut wie nicht daran beteiligt sind. Es gilt das Verbot, Lehrkräfte mit einem Extravertrag anzustellen, um sie quasi zusätzlich am Nachmittag noch tätig sein zu lassen. Was ginge, wäre, dass Lehrkräfte freiwillig in ihrer Freizeit am Nachmittag Angebote machen im Ganztag oder dass Lehrkräfte im Rahmen ihres Stundendeputats von der Schule regelhaft eingeplant werden. Dazu bräuchte die Schule allerdings die entsprechenden Ressourcen. Momentan ist es so, dass Grundschulen zwei Wochenstunden zur Verfügung haben. Die fließen in der Regel in die Koordinierung des Ganztages und nicht in eigene Angebote am Ganztag. Und nun sind wir auch wieder bei der Frage Schulkultur und Zusammenarbeit. Wie soll es denn künftig funktionieren, wenn ich das Recht auf Ganztag habe und bis zu ein hundert Prozent der Schülerinnen und Schüler den ganzen Tag in der Schule verbringen? Das ist die Zahl aus Hamburg, wo es dieses Recht auf Ganztag schon länger gibt. Wie arbeiten dann Vor und Nachmittag eigentlich zusammen? Wann treffen die sich, Wann kooperieren die? Wann kann die Sachkundelehrerin der Betreuerin am Nachmittag dann erzählen, was sie im Unterricht tut, um die passenden Experimente anzubieten? Und und und. Und da stehen wir noch ganz am Anfang einer Debatte, die bisher für mich noch keine Lösung aufzeigt, wie das funktionieren soll. Eine davon zeigt sich vielleicht auch noch mal deshalb, da die ganzen Schulen, die in den letzten Jahren die Deutschen Schulpreis gewonnen haben, ja sich auch dadurch auszeichnen, dass sie Lehrkräfte im Ganztag haben. Und die sagen die pädagogischen Mehrwert daraus, die ist so groß, dass man Lehrkräfte und Schülerinnen sich anders kennenlernt, sich anders begegnen, weil die ein anderes Miteinander haben, kein bewährter und bewertete oder kein Druck in der fünf und vierzig Minuten Zeit, jetzt Fach zu vermitteln, dass es ganz andere Möglichkeiten gibt. Und das zeigt auch noch mal den Wert von Schulkultur an sich. Eigentlich, wenn man den dabei hat. Und ich möchte noch am Rande kurz das hätte auch meine Schlagzeile der Woche sein können. Kerstin das gerade sagt erwähnen, dass ich gestern Abend noch gelesen habe, dass es eine Studie der Universität Göttingen gab, glaube ich. In Berlin Du nix von wohlwissentlich, dass auch von der GEW in Auftrag gegeben, Deshalb auch wohlwissentlich, dass die Lehrkräfte in Berlin zwei Millionen Überstunden pro Jahr machen. Das verdeutlicht vielleicht noch mal diese Arbeitsverdichtung, in der es vielleicht auch schwierig ist, eine Schulkultur aufrechtzuerhalten. Und sollte es in Schleswig Holstein ähnlich sein, dann ist natürlich diese ganze Ganztagsfrage, wenn man die Lehrkräfte da rein bekommen möchte, auch noch mal eine zusätzliche Belastung für diese Arbeitszeit, auch wenn es eigentlich aus pädagogischen Aspekten wahrscheinlich sehr wertvoll wäre. Ja, das finde ich, ist gerade wenn wir jetzt das Thema Ganztag in den Fokus nehmen wollen, wirklich ein Riesenproblem, weil wir als GEW natürlich die klare Forderung haben, dass wir einen guten Ganztagsausbau brauchen. Wir würden sogar eher in Richtung eines gebundenen Ganztages denken wollen, um einfach wirklich Chancen und Bildungsgerechtigkeit Ähm ja stärken zu können. Im Moment ist es ja doch sehr weiterhin so, dass da, wo zusätzliche Möglichkeiten, zusätzliche Mittel innerhalb der Familie da sind, die Schulleistung besser sind als da, wo Kinder vielleicht zu Hause keinen Schreibtisch haben, wo sie in Ruhe arbeiten können und Ähnliches. All solche Sachen könnte durch ein wirklich gutes Ganztagskonzept deutlich besser geregelt werden. Wenn wir dann aber da an den Schulen in eine Situation laufen, dass Ganztagsausbau überwiegend abgelehnt wird, weil es noch mehr Belastung bedeutet, dann wird es kein guter Ganztag sein. Also ein guter Ganztag funktioniert nur, wenn das Personal vor Ort die Aufgaben bewältigen kann, wenn die Arbeitsbedingungen so sind, dass es leistbar ist. Wenn wir eine gute Verzahnung zwischen Vor und Nachmittag haben, wenn wir dann als Vor und Nachmittag denken wollen Ich möchte es eigentlich immer nicht so gerne. Und wenn wir auch vernünftige Teamstrukturen haben, dass sich die Lehrkräfte mit dem zusätzlichen pädagogischen Personal auch wirklich gut austauschen können und nicht nur in kurzen fünf Minuten Gesprächen. Übrigens da und da war heute die und die Problematik hat da mal ein Auge drauf. Das reicht einfach nicht. Da gehört auch ein Blick auf das zusätzliche Personal dazu und was für Arbeitszeiten die haben. Kerstin hatte das ja vorhin schon gesagt, die müssen fast alle Teilzeit arbeiten und teilweise haben die Arbeitszeiten von sieben bis acht in der Frühbetreuung und dann gehen sie nach Hause und dann kommen sie von zwölf bis siebzehn uhr wieder. Da muss man ja erstmal Leute finden, die das attraktiv finden. Nun können wir künftig noch dahin, dass in den Ferien mehr Angebote stattfinden müssen als bisher. Also außerhalb der Ferien arbeitest du gestückelt und innerhalb der Ferien dann von sieben bis fünfzehn uhr oder sechzehn uhr durchgehend. Das muss man auch mögen, solche Arbeitszeiten. Und ich glaube, auch deshalb werden wir Schwierigkeiten haben, das nötige Fachpersonal zu finden. Und auch da müssten wir uns überlegen Wie schaffen wir es denn, zumindest für einige Fachkräfte Vollzeitarbeitsplätze zu schaffen, die dann eben auch in den schulischen Vormittag integriert sind, wo sie ja auch dringend benötigt würden. Genau da würde ich vielleicht jetzt kurz anknüpfend einmal das sogenannte Pooling Modell in den Raum stellen wollen. Für diejenigen, die noch nicht so oft gehört haben Pooling Modelle gehen in die Richtung, dass zusätzliches pädagogisches Personal im Vormittag sein ist. Schulbegleitungen, seien es Schulassistenten, Unterstützungskräfte im Vormittag gebündelt gedacht werden und finanziert werden und dann eben die Möglichkeit bestünde, wenn man das wirklich konsequent umsetzen und auch finanziell ausgestalten würde. Dann gibt es die ganzen ganztägigen Arbeitsplätze. Dann gibt es das Personal, das in der Frühbetreuung sein kann, dann als Klassenassistent möglicherweise eine Klasse begleitet und nachmittags dann eben im Ganztag auch anwesend ist. Und dadurch ergeben sich viele Synergien, weil dann auch viel niedrigschwelliger Niederschwelliger Besprechung möglich sind, wenn man einfach wirklich die ganze Zeit gemeinsam in der Schule verbringt. Herr Dubois, ein Gutachten für Schleswig Holstein vor einigen Jahren empfohlen solche Pooling Modelle. Die letzte Landesregierung, das war die Jamaika Regierung, hatte eine Studie in Auftrag gegeben, um das Konzept der Schulassistenz zu evaluieren, das davor SPD, Grüne und SSW eingeführt hatten. Und das Ergebnis war Diese Schulassistenten sind eine gute Idee. Die gibt es bisher nur an Grundschulen. Und aus dieser Studie ging hervor die müsste man ausbauen, sowohl in der Zahl an den Grundschulen als auch auf weiterführende Schulen. Und das sind genau die Kräfte, von denen Kerstin gerade sprach. Und Schulbegleitung zum Beispiel ist in den vergangenen Jahren ganz massiv explodiert. Da geben die Kreise richtig viel Geld für aus. Und wenn man das in solche Pooling Modelle stecken könnte, dann könnte man auch die pädagogische Qualität an den Schulen insgesamt stärken. Da müssen wir vor allem bei den professionellen Teams welche, welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen seht ihr denn beide bei diesen multiprofessionellen Teams hinsichtlich des Arbeitsklimas und der Arbeitskultur anzugehen? Ich fange mal mit einem Risiko an. Ganz viele Grundschulen sind irgendwann vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren mal gebaut worden, als es die Idee von multiprofessionellen Teams nicht gab und haben zum Beispiel Lehrerzimmer, in denen kaum das vorhandene, der vorhandene Bestand an Lehrkräften reinpasst. Also von guten Arbeitsplätzen kann man da nicht reden, sondern eher von einem Sitzplatz mit einer Ablagefläche am Tisch vor sich. Und wenn da jetzt noch viele dazu kommen, dann braucht es einmal die Bereitschaft, die als Kolleginnen und Kollegen an den Schulen zu akzeptieren. Die finde ich oft, aber nicht immer. Also es gibt durchaus Schulen, da darf die Schulbegleitung nicht ins Lehrerzimmer, weil sie ja keine Lehrkraft ist. Und das zweite ist, man braucht eben auch den Platz. Also man muss die Schulen auch baulich umrüsten auf diese multiprofessionellen Teams. Und dann ist die größte Herausforderung natürlich immer zu definieren, wen brauchen wir denn und wie bezahlen wir das? Genau. Eine andere Herausforderung würde ich vielleicht noch benennen wollen. Wir brauchen ein gutes Miteinander, umgehen mit den verschiedenen Expertisen. Ganz oft ist es so, dass er Kräften die pädagogische Expertise abgesprochen wird, den anderen Kräften die haben ja keine Ahnung von Unterricht. Und ich glaube, es ist total wichtig, dass wir unterschiedliche Perspektiven haben, dass wir unterschiedliche Blicke auf die Schülerinnen haben, weil kein Keins der Kinder, keiner der Jugendlichen ist eindimensional. Die haben alle unterschiedliche Facetten. Und aus unterschiedlicher Profession nehme ich unterschiedliche Sachen wahr. Und diese Unterschiedlichkeit auf Augenhöhe und mit einer Akzeptanz der jeweils anderen Sichtweise unter anderen Expertise Diese zu diskutieren, zu kommunizieren, halte ich auf der einen Seite für eine Herausforderung, wenn die Zeit fehlt, aber auch für eine riesige Chance, weil ich glaube, dass wir in den Schulen so zu viel besseren Bildungs und vielleicht aber auch pädagogischen Lebensbegleitern werden können, als wir es im Moment sind. Im Moment dominiert einfach ja wirklich Leistungsergebnis und Fachergebnis Y und nicht der Blick auf einen jungen Menschen, der heranwächst und ja, seine eigenen, seinen eigenen Weg finden soll. Natürlich als auch als ja, mit einem Leistungsgedanken. Wir sind in der Schule, also wir wollen schon Wissen vermitteln, aber über die Wissensvermittlung hinaus wollen wir ja auch Menschen bilden. Und ich glaube, der Punkt muss mehr in den Fokus und kann auch mehr in den Fokus. Angenommen, wir hätten diese diese idealen Schule, in der wir die baulichen Voraussetzungen haben und auch die finanziellen und diese multiprofessionellen Teams haben, die alle zusammenarbeiten, wie Kerstin glaubt. Könnte das gelingen, dass sie auch dann auf Augenhöhe sich begegnen und sich ernst mit ihren Expertisen? Ist das ein Trial Error Verfahren oder müsste es dafür Building Maßnahmen geben? Müsste das von oben angeleitet sein? Wie stellt ihr euch das vor? Ich glaube, ein ganz wesentlicher Faktor ist wirklich die Zeit. Also ich glaube, es müsste gemeinsame Schulentwicklungsprozesse geben. Über. Wir haben jetzt einen Schulentwicklungstag mehr im Jahr hinaus, sondern man braucht eine gemeinsame Idee Was ist Schule, Was wollen wir als Schule erreichen, Wo wollen wir hin? Und es braucht einfach ganz elementar die Zeit, um sich miteinander auszutauschen. Und da das fehlt einfach so wahnsinnig. Es gibt immer mal ja das nette Vorurteil, dass Lehrkräfte ja sowieso dauernd Pause hätten im Vormittag und sich mal nicht so anstellen sollen. Dann wären es nur fünf und vierzig Minuten am Stück arbeiten. Das sei ja nun wirklich nicht so viel. Und es gibt durchaus psychologische Studien bzw medizinische Studien an der Stelle, die mal Belastungsmessungen gemacht haben über den Vormittag einer Lehrkraft. Und die haben festgestellt, dass die vermeintlichen Pausen die Zeit mit der höchsten Belastung sind. Also jetzt rein auf die die körperlichen Symptome, Blutdruck steigt an, Herzfrequenz steigt an all solche Sachen. Also die Pause ist die eigentliche Stresszeit im Vormittag, weil das die Zeit ist, wo alles passieren soll, nämlich auch der Austausch mit den Kolleginnen anderer, anderer Professionen, sofern sie denn am Vormittag dabei sind. Und so kann kann ein guter Austausch, ein gutes Miteinander einfach gar nicht funktionieren. Und dann renne ich in der Viertelstunden Pause der Kollegin hinterher, die ich dringend treffen möchte. Gleichzeitig suchen mich zwei Schülerinnen und Schüler, die ein Anliegen haben. Und möglicherweise muss auch noch was vorbereitet werden für die drei Stunden, die als nächstes anstehen. Also kann ich mir gut vorstellen, einen Zettel in meinem Fach vorgefunden. Ich möchte bitte Kollegin XY oder Eltern XY XYZ noch mal schnell zurückrufen, um vier Leute stehen vor euch an dem an der Schlange vom Kopierer. Was also tun? Genau. Also, was für mich ganz wichtig ist, um diese Teambuilding Prozesse zu gestalten, sind einmal die Schulleitung, die da eine ganz wichtige Rolle hat. Weil Schulleitung muss ein Interesse daran haben, ihre Schule zu entwickeln und auch das Team an ihrer Schule zu entwickeln. Meistens klappt sowas nicht gegen eine Schulleitung, sondern die muss das in der Regel steuern. Und das zweite ist, dass ein Kollegium auch gemeinsam eine Idee entwickeln muss Wo wollen wir denn eigentlich hin mit der Schule und was ist unser Leitbild? Das gab mal einen etwas theoretischen Versuch in Schleswig Holstein. Da musste jede Schule ein Schulprogramm schreiben, weil man gesehen hat, bei den Schulen, die ein Schulprogramm haben, lief es besonders gut. Das waren aber die Schulen, die sich da gemeinsam darauf verständigt haben und das wollten. Und in dem Moment, in dem man alle Schulen zwang, passierte es dann eben, dass es teilweise Arbeitsgruppen gab, die in einem halbjährlichen Prozess dieses Schulprogramm erarbeitet haben, um es dann in eine Schublade zu packen. Und oh Wunder, da gab es dann keine positiven Effekte für den Schulalltag. Also man muss irgendwie den Geist an der Schule wecken, dass alle gemeinsam ein bestimmtes Ziel verfolgen, was zu dieser Schule gehört. Und auch da würde ich glatt einhaken und würde sagen, auch das ist ein Zeitfaktor, wenn ich einfach nur noch dabei bin, den Schulvormittag irgendwie abzuarbeiten, dann nach Hause zu hetzen, um möglichst gut meinen Unterricht optimaler Weise schon für den übernächsten und nicht nur für den nächsten Tag vorzubereiten. Dann habe ich nicht mehr die Zeit, mir einfach mal Gedanken zu machen Wofür stehe ich eigentlich pädagogisch? Wofür steht meine Schule pädagogisch? Wie können wir den Kindern und Jugendlichen gerecht werden, die bei uns an der Schule sind? Und dann, ja dann ist es einfach nur noch ein Abarbeiten und dann ist es nur Stress. Und jede zusätzliche Anfrage, jede zusätzliche, jedes zusätzliche Telefonat, jede Mail nervt einfach nur noch und ich komme aus diesem Hamsterrad überhaupt nicht mehr raus. Also ich finde den Faktor Zeit für Unterrichtsentwicklung. Zeit für pädagogische Weiterentwicklung so elementar wichtig. Und im Moment wird ganz viel Zeit in ja wie soll ich es formulieren? Zwangsmaßnahmen gesteckt, also in Zwangskonzepte, die geschrieben werden müssen, in jährlich aktualisierte Schulcurricula, die auf der Homepage hochgeladen werden müssen. Es ist gut und es ist wichtig, dass Schulen transparent arbeiten. Aber müssen wirklich alle fast acht hundert Schulen im Land wirklich ein Absentismus Konzept schreiben? Ist das erforderlich oder könnte man nicht auch von Landesseite sagen Wir geben euch einen Rohling vor und ihr passt ihn an das Konzept? Wir geben euch einen Rohling vor, ihr passt ihn an auf die Bedürfnisse eurer Schülerinnen. Umsetzung des Digitalpakts in Schleswig Holstein Warum musste jede Schule das Rad für sich selber erfinden? Und warum gibt es immer noch keine IT Kräfte an den Schulen, die vielleicht mal unterstützen? Warum muss ich als Lehrkraft morgens in meinen Unterricht kommen und feststellen Oh, mein Computer hat jetzt ungefähr zwanzig Minuten Updates vor sich. Gut, wir wollten eigentlich mit dem Unterricht starten. wird dann wohl nix. Und es sind so viele Kleinigkeiten, die einfach so viel Zeit verschleißen, die für so viel Wichtigeres nicht mehr da ist. Es ist, als hättest du meine Notizen gelesen. Meine nächste Frage Wie habe ich sie gegen die Zeit in die Schule? Ich glaube, das kannst du auch. Michael. Darum sitzt aber vielleicht etwas weniger als Defizit. Verstanden? Wie kriegen wir denn Zeit in Schule? Also weniger Konzepte oder Konzepte. Rohling des Ministeriums als Kräfte. Verwaltungskräfte werden ja auch erprobt. Martin, Wie viel Schulen? Und das ist meine Lieblingsgeschichte, die erzähle ich jedes Mal gerne. Genau. Wir erforschen gerade in Schleswig Holstein drei Jahre lang an fünf Standorten, ob es vielleicht Schulleitungen entlastet, wenn sie eine zusätzliche Verwaltungskraft zur Verfügung haben. Und wir haben ein großes Glück, dass wir nicht fünf Jahre lang an drei Standorten erforschen. Das Ergebnis wäre in beiden Fällen dasselbe. Das hätte man aber mutmaßlich auch schon gleich zu Beginn des Vorhabens sagen können. Nehmen Sie Anekdote Wie klingen noch Zeit in Schule? Was wären eure Ideen und Vorstellungen zum Beispiel in dem man keinen Unterricht kürzt, finde ich. Es ist schon so eine Idee zu überlegen. Also die Begründung, warum gerade im Bereich der Gemeinschaftsschulen aktuell gekürzt wird, ist ja, dass wir mehr Unterricht geben, als es laut KMK erforderlich ist. Das ist die offizielle Begründung. Ich glaube, die Begründung lautet eigentlich Schleswig Holstein ist pleite, wir müssen kürzen. Und glücklicherweise ist es so, dass die KMK Empfehlungen hergeben, dass wir Unterricht vollziehen können. Man könnte sich natürlich aber auch darauf verständigen, dass man sagt Uns ist Bildung so wichtig, wir kürzen im Bereich der Bildung nicht. Dann könnte man immer noch zu dem Punkt kommen, dass Schleswig Holstein mehr Unterricht zur Verfügung stellt, als es müsste. Und dann käme aber bei der Rechnung hinten raus. Gut, wir nehmen den Unterricht raus und wir lassen aber die Lehrkräfte drin, weil wir nämlich sehen, dass wir in sämtlichen Bildungsstudien immer schlechter werden. Und wenn wir mehr Lehrkräfte im System Hätten, dann hätten wir mehr Möglichkeiten zu differenzieren und hätten dann mit Sicherheit auch wieder bessere Bildungsergebnisse. Im Moment kommt dann die Idee, dass wir sagen, im Bereich der Grundschulen muss es mehr Deutsch und Mathe sein, aber nicht als Differenzierungsmöglichkeit, sondern als eine Stunde mehr. Und wir haben nun mal gerade die Kinder, die Probleme haben, die meistens gar nicht die Aufmerksamkeit haben, noch eine Stunde mehr zu schaffen. Also da lieber die Möglichkeit, diese eine Stunde mehr als Differenzierung mit rein zu geben, noch mal in einer kleineren Gruppe Ergebnisse nach sichern zu können. Ich glaube das sind Sachen wo man, wenn man denn wollte was machen könnte. Ich glaube dieses massive Sparen bei den Gemeinschaftsschulen hat auch einen knallharten politischen Grund. Die traurige Wahrheit ist, dass Eltern von Gemeinschaftsschülerinnen und Schülern nicht so wehrhaft sind wie die Eltern von Gymnasiasten. Deswegen kürzt man lieber bei den Gemeinschaftsschulen, wissend, dass da eben der Widerstand geringer ist und dass da wahrscheinlich eher nicht die große Demonstration vor dem Bildungsministerium stattfindet. Ich glaube, das hätte anders ausgesehen, wenn man sich die Gymnasien als Schwerpunkt der Sparmaßnahmen vorgenommen hätte. Ich finde einen wichtigen Ansatz, um Zeit in die Schule zu kriegen, auch noch die Klassenlehrkraft wieder zu stärken. Also das ist eine ganz wichtige Funktion. Ich war selber sehr gerne Klassenlehrkraft und fand immer, dass es meine Verantwortung ist, dafür zu sorgen, dass diese Klasse als Gruppe funktioniert. Und mir war immer ganz wichtig, dass die sich alle kennen, bevor wir loslegen im Schuljahr. Dass wir voneinander wissen, dass auch Schülerinnen und Schüler untereinander ein Auge auf sich haben, dass es also nicht nur an mir ist, nach zu telefonieren, wenn jemand plötzlich nicht kommt, sondern dass im Optimalfall zwei oder drei aus der Klasse auch schon mal gefragt haben Wieso warst du gestern nicht da? Und so weiter und so fort. Und das wird eigentlich immer wichtiger, je mehr Herausforderungen die Kinder und Jugendlichen mitbringen. Und das werden mehr. Das zeigen uns die Schuleingangsuntersuchungen, das zeigen uns die Bildungsstudien. Das wissen wir einfach so und wenn ich jetzt dazu komme, dass die Herausforderung größer werden müsste ich die Rolle der Klassenlehrkraft stärken und müsste der Klassenlehrkraft auch Zeit dafür zur Verfügung stellen. Und deswegen würde ich gerne Klassenlehrkräfte zum einen entlasten wollen in der Frage wie viel müssen die eigentlich unterrichten? Weil die Klassenlehrkraft ist eben am ehesten die Lehrkraft, die hinter Eltern hertelefoniert, hinter dem Sozialamt hertelefoniert und und und. Und wir brauchen auch eine Klassenlehrerstunde, wo einfach Klassengeschäfte geregelt werden, aber auch die Klasse als Gruppe stattfindet, wo man im Zweifel erzählt wie war das Wochenende, was hat euch bewegt, welche Themen liegen diese Woche außerhalb des Unterrichts an? Meine Erfahrung ist, wenn das gut geregelt ist, dann ist hinterher im Unterricht das Störpotenzial viel geringer Und dann helfen sich Schülerinnen und Schüler auch viel mehr gegenseitig. Und das ist ja eigentlich mein Ziel, dass ich eine Gruppe habe, die sich gegenseitig über die Hürden hilft und nicht ich als Lehrkraft bin für alle verantwortlich. Vielleicht ganz kurz daran anknüpfend Wir haben ja teilweise im Bereich der Grundschulen genau solche Klassen Lehrkraft. Stunden die sind aber ganz oft mit Klasse fünf dann weg, weil dann funktionieren Schülerinnen glaube ich nur noch in Fachbereichen und nicht mehr als Menschen. Und ich glaube, gerade für solche Übergangszeiten und auch meinetwegen wirklich hoch bis zum Abitur brauchen wir solche Zeiten, die einfach dem Miteinander dienen und nicht immer nur der Leistung und fachliche Anforderungen erbringen. Ich möchte noch einmal ganz kurz das, was du so als Vermutung in den Raum gestellt hast, nämlich dass die Kürzungen der Lehrkräfte stellen oder der Unterrichtsversorgung aufgrund finanzieller Bredouille erfolgt, nochmal etwas untermauern mit einem Zitat, was auch Martin in der letzten Landtagssitzung auch schon in seiner Rede eingebunden hatte, und zwar von dem doch sehr prominenten Bildungsforscher Professor Dr. Olaf Köller. Der Direktor des IBMS, also Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften. Und der sagt. Und ich fand das wirklich wunderbar. Die Kürzung der Stundentafeln der Sekundarstufe eins folgt natürlich keinem pädagogischen, didaktischen und lernpsychologischem Konzept, sondern ist allein dem Umstand geschuldet, dass wir Psychologinnen das Wasser bis zum Hals steht, ja es vielleicht prominent zur Unterstützung für das, was Du so als These formuliert hattest, noch mal die Einschätzung eines Bildungsforschers dazu. Und gleichzeitig war es dem Land möglich, drei hundert Millionen Euro in der Dithmarscher Erde zu verbuddeln, um da fast eine Batteriefabrik anzusiedeln. Also auch da muss man sich ja mal deutlich machen, was geht, wenn es gewollt ist. Ist es also alles eine Prioritätenfrage? Zeit in Schule zu haben, die das Arbeitsklima an Schule zu haben? Und wenn es eine Prioritätenfrage ist in wessen Verantwortung liegt denn dieses Prioritätensetzen? Also kann ich als Lehrkraft auch einfach sagen Hier ist es viel wichtiger, dass ich ein gutes Miteinander habe mit meinem Kollegium und meiner Schulklasse. Deshalb bereite ich jetzt vielleicht weniger meinen Unterricht vor oder machen. Ich weiß gar nicht, wo man gut sparen kann. Eigentlich. Wahrscheinlich geht es allen so Wo bist du und setzt du da mehr drauf? Also wessen Verantwortung ist es denn, diese Prioritäten zu setzen? Also es ist ganz klar in meinen Augen eine Landesverantwortung. Die Lehrkraft hat ja nur bedingt Möglichkeiten zu sagen, ich bereite meinen Unterricht mal weniger gut vor. Es gibt ja im Moment durchaus Bestrebungen, dass gesagt wird, wir sollen uns mehr fokussieren, basale Kompetenzen, da vielleicht als Schlagwort einfach in den Raum gestellt. Das ist eine nette Aufforderung, den Lehrkräften zu sagen Macht doch mal nicht so viel, mach doch mal nicht alles. Aber wir vergessen dabei, dass Schule in einem gesellschaftlichen Kontext stattfindet. Wenn ich als Schule sage So, wir machen jetzt ganz klaren Fokus auf basale Kompetenzen, wir machen keine Ausflüge mehr, wir machen keine Aufführungen mehr. Wir haben kein Schultheater, sondern wir setzen unseren Fokus wirklich in die Sicherung der basalen Kompetenzen. Da weiß ich doch, dass mir die Eltern in Rekordzeit die Bude einrennen und sagen Aber wo ist denn die kulturelle Bildung? Und wo ist denn die Begabtenförderung? Nur basale Kompetenzen, das kann es ja auch nicht sein. Und von daher ist es ganz klar in Landesverantwortung die Schulen so auszustatten, dass sie ihre Arbeit leisten können. Und die ist einfach vielfältig und die muss auch vielfältig sein. Ich glaube auch, dass das schiefgehen würde. Also wir haben jetzt tatsächlich Holstein, zum Beispiel eine Stunde Mathe mehr in der Grundschule, in der Hoffnung, dass die Matheleistung steigen. Wir wissen aber, dass viele Schülerinnen und Schüler Angst vor Matheunterricht haben. Und wenn ich vor etwas Angst habe, dann hilft es mir nicht zwingend, wenn ich davon einfach mehr in der Woche habe. Und wir wissen auch, dass es ganz häufig Hemmungen gibt nachzufragen vor der ganzen Klasse, wenn man was nicht verstanden hat. Also wäre möglicherweise die sinnvollere Hilfe eine zweite Kraft im Raum, die herumgeht und für Einzelfragen zur Verfügung steht. Und gar nicht so sehr diese ganze Stunde mehr für die ganze Klasse. Und wenn ich jetzt allerdings nur mich auf basale Kompetenzen beschränke und zum Beispiel nur noch Deutsch und Mathe unterrichte, glaube ich gar nicht, dass das so viel besser werden würde, weil wir eben es mit Menschen zu tun haben, die auch ganz viele andere Bedürfnisse haben. Und wir wissen aus der Forschung, dass es wichtig ist, sich an der Schule wohlzufühlen, optimale Leistungen zu erbringen. Und zu diesem Wohlfühlen gehört im Zweifel eben doch das gemeinsame Theaterstück. Für die Schülerinnen und Schüler, die in Mathe nicht gut sind, gehört es auch mal ein Erfolgserlebnis, in einem Fach, das nicht Mathe heißt, zu haben. Deswegen kann man da auch nicht alles beliebig wegdampfen und muss Schule schon insgesamt weiterentwickeln. Ich verstehe den Hintergedanken, dass man eben sagt Lesen, schreiben, Rechnen ist irgendwie besonders wichtig. Deswegen fließen da ja auch die meisten Ressourcen rein. Das finde ich in Ordnung. Man wird diese basalen Kompetenzen aber nicht nur darüber fördern können, dass man sich ausschließlich darauf konzentriert. Ich würde sagen, wir kommen so langsam zum Abschluss. Aber eine letzte Frage habe ich noch Welche? Welche Wechselwirkungen wird es dann geben, wenn wir eine ideale Arbeitskultur an Schulen haben für Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern? Also wie würde ich als Mutter merken, dass an meiner Schule eine gute Arbeitskultur ist? Und wie würden meine Kinder als Schülerinnen und Schüler merken, dass es eine gute Arbeitskultur an den Schulen gibt? Also wenn jetzt diese ideale Arbeitskultur hätten mit dem Miteinander und allem, ich denke, das würde man dadurch merken, dass Lehrkräfte entspannter sind, als ich es im Moment sind, dass es vielleicht klare Absprachen gibt. Wann sind Lehrkräfte erreichbar, wann sind sie nicht erreichbar? Wenn sie erreichbar sind, sind sie auch erreichbar mit Zeit. Wenn sie nicht erreichbar sind, sind sie auch nicht erreichbar. Aber das ist in Ordnung, weil es feste Zeiten gibt, wo Kontakt stattfinden kann. Am Unterricht würde man das vermute ich, dadurch merken, dass viel Absprache der Kolleginnen untereinander stattfindet, dass Unterricht in einem Fach zu einem Thema ähnlich gemacht wird, weil man auf gleiche Unterlagen oder auf gleiche Themen boxen oder je nach jener Altersspanne eben zurückgreift und da einfach viel Teamarbeit stattfinden kann und man sich auch gegenseitig dann gut vertreten kann, wenn es der Fall ist. Ja, und wir insgesamt ein deutlich entspannteres Schulklima hätten. Ich glaube, es ist wichtig, dass morgens alle Beteiligten einigermaßen gerne auf dem Weg in die Schule sind. Und das merke ich Leuten an, ob sie da gerne hingehen oder nicht. Auch als Eltern. Wunderbar. Ich danke euch erstmal bis hierhin, aber wir sind noch nicht ganz durch. Wir haben alle drei noch eine Empfehlung mitgebracht für unsere Zuhörenden und Martin. Willst du anfangen? Was hast du als Empfehlung? Ja, möchte ich die republica als Veranstaltung empfehlen. Einmal im Jahr findet in Berlin ein dreitägiger Kongress von digitalaffinen, progressiven, zuversichtlichen Menschen statt, die sich mit verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen befassen, die Vorträge und Diskussionsveranstaltungen darüber organisieren, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickeln sollte, könnte, müsste und was man dazu beitragen kann. Und ich versuche, wenn es zeitlich irgend geht, jedes Jahr dabei zu sein und kommen jedes Jahr mit vielen Ideen und auch Erkenntnissen wieder. Und lerne da in drei Tagen immer wahnsinnig viel und deswegen empfehle ich allen, die es irgendwie einrichten können Guckt euch das mal an! Nächstes Mal im Mai sechs und zwanzig. Perfekt, Dann weiß ich jetzt das Datum steht nämlich tatsächlich bei mir unbedingt auf der Liste. Dann hieß es ja, unbedingt hinzufahren und es ist ein bisschen, als hätten wir uns abgesprochen. Es gab nämlich eine Wissenschaftlerin, Transformationsforscherin, die dort auch gesprochen hat. Maja Göpel Und das wäre meine Empfehlung. Sie hat ein neues Buch veröffentlicht. Werther heißt das. Und was ich an diesem Buch total genial finde, ist, dass es eine ziemlich schonungslose Bestandsanalyse der Gegenwart ist, aber nicht im Sinne einer Problemhypnose, sondern im Sinne von Das ist der Stand. Und wie können wir umsteuern, wie können wir anders denken? Aus dieser ja wirklich sehr herausfordernden Gegenwart in eine positive Zukunft zu kommen. Und es liest sich sehr gut. Ich bin noch nicht ganz durch, aber fast. Ich habe schon anderes von ihr gelesen. Absolute Empfehlung. Maja Göpel Werte habe ich auch gesehen an der republica. War tatsächlich sehr spannend. Ich finde, wir haben sehr vielfältige Empfehlungen. Ich bringe mich ein Instagram Account mit, und zwar von Nora Markard. Das ist eine Juristin aus Münster, die sich für Verfassungsrecht und Menschenrechtsschutz einsetzt oder ob sich darauf spezialisiert hat und auf ihrem Account heißt zum einen Buchempfehlungen. Vielleicht überlege ich mir. Dabei habe ich noch gar nicht nachgeguckt, aber auch spannende Einordnungen zu rechtlichen Fragen. Jetzt aktuell war das natürlich vor allem das AfDverbot. Aber auch andere Themen sind immer wieder dabei. Und Nora Markhardt Das eine von denen, die mir so immer einen Feed gespült wurde, ohne dass ich sie explizit gesucht hatte und der ich sehr froh bin zu folgen. Insofern auch an alle Zuhörenden, die klare Aussagen Follower Empfehlung Manchmal merke ich, dass ich doch nicht mehr die Jugendgeneration bin. Ich würde sagen, das war's für heute von uns. Ich danke dir, Kerstin, dass du zu Gast bei uns. Vielen Dank für die Einladung. Vielen Dank auch für die Impulse. Martin auf wie immer Vielen Dank. Danke euch beiden. Und das letzte Wort hast du, Kerstin. Genau. Und ich kann ziemlich nahtlos anknüpfen an ganz vieles, was wir gesagt haben. Letztes Wort, oder? Mein letzter Wunsch wäre, dass wir begreifen, dass Bildung eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft ist.
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